„Der Körper ist das wertvollste Instrument, das ihr habt“ – Andreas Trienbacher über die Bewahrung unserer Gesundheit und welche Rolle Daten dabei spielen

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Wie das Erheben von Daten zur physischen und psychischen Weiterentwicklung beitragen kann, warum das Lesen von Biofeedback so essentiell ist und warum Social Media eine Gefahr in Bezug auf das Erreichen von Zielen ist – das alles klärt Jonas Rashedi im gemeinsamen Gespräch mit Andreas Trienbacher im Podcast „My Data is better than Yours“.

Andreas Trienbacher ist seit 1988 als Ernährungsberater und Personal Trainer tätig. Seit bereits 5 Jahren können seine Kundinnen und Kunden auch von seinem Wissen als Mentalcoach, Life Coach sowie Burnout Resilienz-Experten profitieren. Somit ist er Experte für Daten, die Rückschlüsse auf Körper und Gesundheit schließen lassen. Andreas ist außerdem im Zuge der Vertriebsoffensive von Dirk Kreuter verantwortlich für den Mister T Wake Up Call.

Tritt eine neue Kundin bzw. ein neuer Kunde an Andreas heran, verschafft er sich immer auf gleiche Weise einen ersten Eindruck. Er sucht auf Google nach der betreffenden Person, hier spielt primär die Bilder-Suche eine große Rolle. Bilder stellen eine Art Mischung zwischen professionellen Settings und dem Privatbereich dar, so Andreas. Deshalb kann so ein perspektivenreicher Eindruck geschaffen werden. Dank dem erprobten Lesen der Bild- und Körpersprache schafft sich Andreas schnell ein Bild vom Menschen. Kombiniert mit der Analyse von Social-Media-Kanälen kann schnell ein Persönlichkeitsprofil erstellt werden. Im zweiten Schritt wird sowohl ein Anamnesebogen als auch ein Ernährungsprotokoll an Andreas übermittelt. Beim Anamnesebogen spielt alles, das in den letzten 20 Jahren in Bezug auf Gesundheit, Ernährung und Bewegung geschehen ist, eine große Rolle. Wichtig ist immer die Frage nach der eigenen Wunschvorstellung. So ergibt sich schnell ein Zielfokus. Auch das Ernährungsprotokoll ist wichtig: So kann klar definiert werden, wo eingehakt werden muss, wo ein Mehrwert geliefert werden kann und wie es mit dem Verhältnis Körpergröße und Gewicht aussieht.

Dank 30-jähriger Erfahrung weiß Andreas genau, auf was es bei der Formulierung von Zielen ankommt. Er kommuniziert klar, ob ein Ziel realistisch erreichbar ist oder auch nicht. Wünsche müssen mit Beruf, sozialem Umfeld und der Familie vereinbar sein. Andreas betont hierbei, dass er großen Wert darauflegt, kein Bild bei der Kundin bzw. beim Kunden entstehen zu lassen, das zum Scheitern verurteilt ist. Sowohl Jonas als auch Andreas sind sich einig, dass Instagram häufig für unrealisierbare Ziele sorgt und der Schein nach außen oft eine größere Rolle spielt, als authentische Eindrücke es tun.

„Social Media ist eine Seuche“, so Andreas: Hochglanzbilder werden von Fotografinnen und Fotografen bearbeitet und viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst. Sie wollen auch so aussehen und sind sich nicht darüber im Klaren, dass das nicht so einfach ist. Das Netz vermittelt, dass das Leben immer leicht ist und Fitnessziele mühelos erreicht werden können. So muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden um die Menschen zu erden. Auf Basis dieser Annahmen formuliert Andreas die Grundvoraussetzung guter Zusammenarbeit: Umsetzbare Ziele müssen gefunden werden. Auch Jonas stimmt dieser Auffassung zu. Es gilt, zu wissen, was seinem Körper guttut.

Wir Menschen müssen wieder lernen, unser eigenes Biofeedback zu lesen. Der Körper kommuniziert ständig mit uns, doch wir haben verlernt, die Signale zu deuten. Auch beim Trainieren ist das Bewusstsein für den eigenen Körper und dessen Signale mehr als wichtig. Wenn der Körper ausgelaugt ist und nach Erholung schreit, ist es ratsam, das Training zu pausieren. Viele Menschen befürchten in solchen Fällen große Rückschritte und denken, eine Trainingspause lässt ihr Ziel in weite Ferne rücken. Diese Angst will Andreas ihnen nehmen. Wir haben den für uns eigentlich so wichtigen Instinkt verloren. So liegt die Herausforderung für den Coach darin, den für die Kundinnen und Kunden richtigen Weg zu finden.

Auch Jonas ist der Meinung, dass genau das einen guten Coach ausmacht. Gewisse Daten können erhoben werden und es kann eine Einschätzung des Potentials vorgenommen werden.

Es gibt Möglichkeiten, selbst durch Daten wichtige Erkenntnisse über den Zustand des eigenen Körpers zu gewinnen. Ein wichtiger Wert ist die Herzratenvariabilität, welche nicht nur den Zustand des Körpers anzeigt, sondern auch jenen des Gehirnes, da dieses eine direkte Verbindung zum Herzen hat. So kann auch erkannt werden, ob man unter Stress steht. Stress ist kein körperliches Symptom, sondern wird über das Gehirn gesteuert. Um diesen Wert (und auch viele weitere) zu messen, eignen sich technische Möglichkeiten wie beispielsweise der Oura Ring oder die App Whoop. Für diejenigen, die keine Technik nutzen möchten, gibt es aber auch andere Möglichkeiten. Man kann jeden Morgen unmittelbar nach dem Aufstehen den Ruhepuls messen. Dies sollte zehn Tage lang in Folge geschehen, anschließend muss der Mittelwert ausgerechnet werden. Liegt der Ruhepuls dann an einem Tag deutlich über dem gemessenen Mittelwert, weiß man, dass etwas nicht stimmt. Beispielsweise kann es sich um Entzündungsprozesse handeln, möglicherweise ist auch ein Infekt im Anmarsch. Auch Stress kann eine Ursache sein. Es ist ebenso möglich, 10 Tage die eigene Temperatur über das Ohr zu messen. Steigt diese um 0,3 bis 0,4 Grad, weiß man, dass etwas nicht stimmt. 

Natürlich müssen Ergebnisse auch richtig interpretiert werden. Es gibt Menschen, die sofort eine Pause einlegen, wenn der Wert auch nur einen Hauch über der Norm liegt: Sie nutzen dies dann gern als Ausrede, um keinen Sport zu machen. Dann gibt es wiederum Menschen, welche die Signale des Körpers gänzlich ignorieren. Auch Jonas ist sich sicher, dass eine Varianz „drinnen sein muss“.

Andreas bestimmt bei seinen Kundinnen und Kunden zuerst das Biofeedback und redet ihnen dann ins Gewissen, wenn die Werte nicht gut sind. So sollen diese dann zwei Tage Pause machen,

oftmals rät er ihnen auch zu der sehr bewährten Herzraten-Meditation. Er sieht dann oftmals mehr Herzkohärenz und kann den Kundinnen und Kunden so klar belegen, dass Pausen für optimale Ergebnisse oft notwendig sind.

Stress spielt in unserem Alltag oft eine große Rolle. Andreas erklärt die Thematik Stress anhand eines Beispiels: Schlenderte ein Urzeitmensch einst durch den Wald, konnte es passieren, dass dieser auf einen Säbelzahntiger traf. Die Nebennierenrinde produzierte sofort Adrenalin. Kletterte der Urzeitmensch schließlich auf einen Baum, sank das Adrenalin. Auch heutzutage haben es Menschen mit dem einen oder anderen Säbelzahntiger zu tun: Ein Chef oder anstrengender Kollege kann zu Stress führen. Auch hier steigen der Noradrenalin-Spiegel sowie auch das Adrenalin-Level. Der Körper ist auf Hochspannung. Wie damals dem Urzeitmenschen das Klettern auf den Baum geholfen hat, so kann heutzutage Sport dabei helfen, in den Fluchtmodus zu schalten und führt somit zur Steigerung von Dopamin und Serotonin. Bewegung ist ein natürlicher Instinkt und hilft bei der Ausbalancierung des seelischen Gleichgewichtes.

In allen Bereichen ist Hintergrundwissen sehr wichtig. Ist der Sinn einer Intervention nicht klar, ist die Wahrscheinlichkeit für eine längerfristige Umsetzung äußerst gering. Einfache Erklärungen sind wichtig und führen zu einem Aha-Effekt. Hier stimmt auch Jonas zu: Wenn jemand keine Analogien für ein Thema findet oder dieses nicht ohne zahlreiche Fachbegriffe erklären kann, ist die Thematik oft auch für diese Person nicht klar.

So hört das Lernen auch nach der Schule nicht auf. Wenn der Körper nicht verstanden wird, hat man ein allzu wichtiges „Zahnrad des Lebens“ nicht im Griff. Fehler gehören bei der Umsetzung dazu, da sind sich Andreas und Jonas einig. Der Mensch ist ein „Energiesparmodell“, wie Andreas es formuliert. Alles läuft über einen Energiesparrechner und es kommt ständig zur Überlegung, inwiefern Energie gespart werden kann. Ergo: Der innere Schweinehund ist uns angeboren. Ist aber kein Grund, ihn nicht auszutricksen.

Das Interview schließt mit einer äußerst wichtigen Botschaft: Unser Körper ist ein wahnsinnig gut funktionierendes System, das unser wertvollstes Instrument darstellt. Wir haben nur diesen einen und sollten uns auch dementsprechend um ihn sorgen.

Kapitelmarken
00:00 Intro
00:25 Begrüßung
00:46 Vorstellung Andreas Trienbacher
02:20 Prozess der Datenerfassung bei Neukundinnen und Neukunden
05:01 Ziele sind abhängig vom jeweiligen Menschen
05:31 Wunschziele vs. Realität
07:25 „Mehr Schein als Sein“ – illusionäre Ziele auf Social Media
10:25 Die Herausforderung des Lesens des Biofeedbacks
12:41 Was macht einen guten Coach aus?
14:52 Warum die Herzratenvariabilität einer der wichtigsten Parameter ist
15:35 Technische Möglichkeiten zur Messung der Herzratenvariabilität
15:47 Einfache Alternativen zur technischen Messung
17:54 Warum die Interpretation der Werte problematisch sein kann
18:43 Die Problematik des fehlenden Urvertrauens
23:20 Was hat ein Säbelzahntiger mit erhöhter Adrenalinproduktion zu tun?
24:51 Warum Sport bei erhöhtem Stress zum Abbau von Adrenalin beiträgt
27:20 Warum einfache Erklärungen oft die besseren sind
30:08 Die Relevanz kontinuierlicher Weiterentwicklung
31:19 Fehler als Teil des Lernprozesses
32:32 Definition des inneren Schweinehundes
34:13 Warum Selbstoptimierung so wichtig ist

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