Dimitri Malinov über Self Service und Echtzeit – und warum es dafür eine Koalition der Willigen braucht

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In dieser Ausgabe des Podcasts „My Data is better than Yours“ spricht Jonas Rashedi mit Dimitri Malinov über den Trend hin zum Self Service, den Weg zur Etablierung dieses erfolgsversprechenden Konzeptes und hilfreiche Ratschläge diesbezüglich. Außerdem wird auch der Zusammenhang zwischen Self Service und Echtzeit diskutiert, Dimitri gibt abschließend einen spannenden Einblick in seine Erfahrungen mit Echtzeit Cases und verrät, auf welcher Weise ihn Daten privat beschäftigen.

Dimitri ist 32 Jahre alt und seit 5 Jahren für die Schwarz Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland gehören, bei der Digital Unit tätig. Dies ist der Bereich, der sich um Online-Geschäftsprodukte kümmert. Was viele nicht wissen, ist, dass Lidl in Deutschland einer der größten Onlineplayer ist. So ist Dimitri für ein breites Feld an Aufgaben zuständig. Er verantwortet alles zum Thema Daten, Reporting und künstliche Intelligenz und bezeichnet sich selbst als Digitalisierungsenthusiasten. Jonas und Dimitri eint nicht nur die Leidenschaft für Daten, sondern auch die Liebe zum Ausdauersport. Auch hier spielt Tracking für beide eine große Rolle.

Dimitri beginnt seine Schilderung des Umganges mit Self Service bei Lidl damit, dass er feststellt, dass dieser immer wichtiger wird. Während künstliche Intelligenz schon länger ein Hype-Thema ist, stand Self Service lange im Hintergrund. Nun schließt er immer mehr auf und viele stellen fest, dass ein großer Mehrwert dadurch entsteht. Dafür gibt es drei Gründe. Zum einen sind Daten heutzutage relativ einfach verfügbar. Dank der Digitalisierung gibt es Daten über alles Mögliche, viele Prozesse können anhand von Datenflüssen nachvollzogen werden. Des Weiteren sind es immer mehr Menschen gewöhnt, mit Daten zu arbeiten und haben Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen gemacht. Zusätzlich vollzieht sich ein großes Umdenken in vielen Unternehmen. Daten werden immer häufiger als das angesehen, was sie sind: Ein überaus gutes Vehikel zur Zusammenarbeit. Der Wille, mit Daten zu arbeiten, wird also immer größer.

In den letzten 12 Monaten hat sich Dimitri intensiv mit dem Thema Self Service auseinandergesetzt.  Das Interesse daran steigt immer mehr. Wie den Leuten Werkzeuge in die Hand gegeben werden können und wie diese dazu bewegt werden können, sie auch zu nutzen, ist dabei ein zentraler Punkt seiner Arbeit.

Somit stellt Dimitri klar fest, dass der Mehrwert von Self Service überaus groß ist. Mit einer BI-Mannschaft ist es schwierig, alle Bedürfnisse der Abteilungen zu bedienen. Der Self Service kann aber hilfreich sein. Erstaunlich ist es, wie stolz die Menschen dann auf ihre Erfolge sind, so Dimitri. Er nennt ebenso ein zweites Beispiel für den Mehrwert. Ab und an wissen die Fachbereiche auch selbst nicht genau, wo sie hinwollen. Durch Self Service kann das Business einen Teil der Strecke gehen, gleichzeitig macht man sich Gedanken darüber, was man wirklich will.

Dimitri nennt auch ein Beispiel aus der eigenen Praxis. So konnte er mit Self Service einer Kollegin im Supply Chain Management weiterhelfen, welche einen bestimmten Bericht immer wieder erstellen musste. Durch Self Service konnte dieser automatisiert werden. So wird der Kollegin einiges an Arbeit erspart.

Der Mehrwert von Self Service ist also klar festzustellen. Doch wie bekommt man Self Service im eigenen Unternehmen etabliert? Klar ist, dass durch Self Service der manuelle Aufwand aufgelöst wird sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr freie Zeit verschafft wird. Dieser Mehrwert muss immer wieder kommuniziert werden. So rät Jonas Unternehmen dazu, eine Strichliste bezüglich des Aufwandes im Manual Reporting zu machen und die Ergebnisse aufs Jahr hochzurechnen. Wird dies mit einem Set-Up für den Self Service verglichen, wird klar, dass es sich rechnen wird. Dimitri ergänzt einen zweiten Aspekt. Durch Self Service erhält man schneller Antworten. So kann beispielsweise festgestellt werden, welches Sortiment im Online Shop vorhanden ist und wo und warum bestimmte Artikel verfügbar sind. Außerdem ist es auch möglich, schneller Verbesserungen umzusetzen.

Jonas erzählt vom Umgang mit Self Service bei Douglas. Dieser wird beim bekannten Beauty-Unternehmen mit Mut zur Lücke umgesetzt. Es geht darum, dass acht Templates genommen werden, welche allen Abteilungen als Reporting Struktur geben. Auch Anfängerinnen und Anfänger können diese Templates nutzen und arbeiten dadurch schneller. Data Governance-Themen können so standardisiert und schnell aufgebaut werden. Auch Dimitri ist der Meinung, dass Bewegung der Schlüssel ist. Den Leuten „muss die Angst genommen werden“, so der Datenexperte. Es ist von höchster Wichtigkeit, Leute mit der Begeisterung anzustecken und sich dadurch eine Community zu schaffen, sodass Erfahrungen geteilt werden können.

Dimitri spricht von einer „Koordination der Willigen“. Er rät dazu, sich zwei Leute mit Interesse zu suchen und diese dann zu fördern. Es sollte sich Zeit genommen werden, um die Leute zu befähigen. Ihnen bei ihrem ersten Projekt zu helfen, zahlt sich aus, da diese so eigenständig werden.

Nach diesem Einblick in die Welt des Self Services lenkt Jonas das Gespräch auf die Thematik Echtzeit. Laut Dimitri ist Echtzeit losgelöst vom Self Service entstanden. Echtzeit ist aus der Verfügbarkeit der Technologie entstanden und wird Dimitris Meinung nach im Self Service ankommen, aktuell lebt das Thema aber für sich alleine.

Jonas fragt Dimitri nach den Situationen, in denen Echtzeit benötigt wird. Dieser spricht über zwei Fälle. Im ersten Fall dient Echtzeit der Information. So kann beispielsweise in einem Live Ticker im Fußball live nachverfolgt werden, wie das Spiel steht. Es kann nichts entschieden werden, man ist aber dennoch informiert. Auch bei der Nachverfolgung eines DHL Paketes ist dies der Fall: Auch hier kann nichts geändert werden, man hat aber die Gewissheit, wo sich das Paket gerade befindet. Der zweite Fall betrifft Unternehmen. Prozesse, die häufig ablaufen, ermöglichen es, ständig Daten über den Fortschritt zu erhalten. Wenn ich diese Informationen besitze, kann ich auf Basis dieser Entscheidungen treffen. So kann Echtzeit ein mächtiges Werkzeug darstellen.

Jonas beschäftigt sich damit, wie er in Echtzeit Reportings zur Verfügung stellen kann, auf Basis derer Entscheidungen getroffen werden können. So haben sein Team und er ein Dashboard zur Verfügung gestellt, welches sich der Frage widmet, mit welcher Einlösung von Gutscheincodes was genau passiert. So wurde festgestellt, dass einige Codes falsch eingetippt werden. Diese falschen Codes wurden übernommen, damit auch diese akzeptiert werden, da es sonst eine relativ hohe Absprungsrate gibt. Durch Echtzeit, so Jonas, kann den Kundinnen und Kunden ein besseres Erlebnis geboten werden.

Dimitri erwähnt auch die nächste Stufe, die viel verändern wird: Maschinen treffen die Entscheidungen und es wird in Richtung prescriptive gehen. Als Beispiel spricht er von sogenannten liquid homepages. Solche Homepages sehen für jede und jeden anders aus: Sie sind so gebaut, dass sie zu der jeweiligen Person passen. Auch Jonas ist gespannt, wie dies in Zukunft eingesetzt und priorisiert wird.

Self Service ermöglicht es, Fähigkeiten in die Breite zu tragen. So wird dadurch skaliert und Daten werden demokratisiert erklärbar gemacht und das Ganze hat eine Hebelwirkung für das Business, so Jonas.

Dimitri arbeitet mit einem Umsatzticker und empfindet diesen als sehr spannend. So wird sichtbar, wie größere Kampagnen angenommen werden und mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür, wie das Business läuft. Ticker werden auch für das Monitoring im logistischen Kontext eingesetzt, um zu sehen, wie logistische Abläufe funktionieren.

Privat beschäftigen Dimitri die Finanzwelt und der Sport. Er ist ein großer Fan von Gamification. Er trägt eine Garmin Uhr, die ihm dabei hilft, beim Tracking am Ball zu bleiben. Die Möglichkeit, sich selbst zu screenen, lässt ihn etwaige Privacy-Bedenken vergessen.

Abschließend richtet er einen Appell an alle Zuhörerinnen und Zuhörer. Er ruft dazu auf, Mut dazu zu haben, Neues auszuprobieren. „Fangt klein an und irgendwann entsteht eine Welle“, so der Experte.

Kapitelmarken
00:00 Intro
00:26 Begrüßung
01:07 Vorstellung Dimitri Malinov
02:44 Warum Self Service immer wichtiger wird
05:40 Was Dimitri in Bezug auf Self Service beschäftigt
06:27 Beispiele für den Mehrwert von Self Service
09:55 Wie etabliere ich Self Service im Unternehmen?
12:56 Templates als Reporting Struktur bei Douglas
15:16 „Koordination der Willigen“
16:32 Kommt nach Self Service Echtzeit?
17:41 Wann brauchen wir Echtzeit?
20:37 Wie bei Douglas die Absprungsrate bei Gutscheincodes gesenkt werden konnte
27:40 Möglichkeiten durch Self Service
28:56 Dimitris Erfahrungen mit Echtzeitcases
31:05 Wie beschäftigt sich Dimitri im Privaten mit Daten?
34:02 Tipps für interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer

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