In Folge 316 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Caroline G. (Head of Data, Münchener Hypothekenbank) über Banking Data. Konkret: Regulierung ist in der Bank der teuerste Ausbildungsplan der Welt für Datenqualität — wer sie nur als Pflicht sieht, verschenkt das Kapital, das dabei entsteht.
3 Erkenntnisse aus dieser Folge
- 01
Regulierung ist in der Bank der teuerste Ausbildungsplan der Welt für Datenqualität — wer sie nur als Pflicht sieht, verschenkt das Kapital, das dabei entsteht.
- 02
Der typische Fehler: Daten werden wie ein Risiko behandelt statt wie ein Asset. Das führt zu defensiven Architekturen, die Agilität verhindern.
- 03
Kulturell braucht es eine Verschiebung vom 'Wir müssen' zum 'Wir können': Datenprodukte als Wachstumshebel für Neugeschäft, nicht als Berichtspflicht für den Vorstand.
Worum es in dieser Folge geht
Banken sind für Daten-Menschen eine seltsame Welt: maximaler Regulierungsdruck, Jahrzehnte Erfahrung mit Data-Governance — und gleichzeitig oft erstaunlich wenig strategische Datennutzung. Caroline führt den Datenbereich bei der Münchener Hypothekenbank und bringt eine klare Diagnose mit.
Die Storyline
Die Regulierungs-Realität
Banken arbeiten unter BCBS 239, DORA, MaRisk und Dutzenden weiteren Vorgaben. Jede einzelne verlangt sauber dokumentierte Datenherkunft, Lineage, Qualitätskontrollen. Das bedeutet: Banken haben einen Datenhaushalt, von dem andere Branchen nur träumen — aber aus falschen Gründen.
Der Compliance-Reflex
Wir haben gelernt, Daten als Risiko zu sehen. Das sitzt so tief, dass strategische Datennutzung fast wie ein Regelbruch wirkt.
Das ist die zentrale These der Folge. Organisationen, die 15 Jahre auf Compliance optimiert haben, entwickeln defensive Reflexe. Jedes neue Datenprodukt löst zuerst Risiko-Fragen aus — nicht Wertfragen.
Der Weg raus
Caroline beschreibt, was in der Hypothekenbank funktioniert hat: Datenprodukte mit klarem Geschäftsnutzen identifizieren, diese als "Showcases" aufbauen, Erfolge sichtbar machen. Gleichzeitig die Regulatorik-Prozesse NICHT umgehen, sondern nutzen — die Datenqualität ist durch sie sowieso schon hoch.
Was andere Branchen lernen können
Wer in seiner Organisation Datenhaushalte auf Angstbasis aufbaut, produziert die gleichen defensiven Strukturen wie eine Bank. Der Unterschied: Die Bank MUSS es so machen. Das E-Commerce-Unternehmen muss es nicht.
Warum mich das besonders umtreibt
Ich habe selbst in regulierten Branchen gearbeitet und kenne die Mechanik. Caroline zeigt in dieser Folge, dass der Ausweg nicht in weniger Governance liegt, sondern in einer anderen Orientierung: Was ist der geschäftliche Wert, den ich freischalte, wenn ich die vorhandenen Daten nutze? Wer diese Frage in einer Bank stellen darf, hat die halbe Miete.