In Folge 293 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit André Wickenhöfer (Bereichsleiter IT-Strategie & Digital Transformation, Provinzial Versicherung) über André W. (Provinzial, 1/3) über Strategie, Post-Merger-Realität und warum Digital Transformation bei Versicherern ein Kulturprojekt ist. Konkret: IT-Transformation bei Versicherern ist kein Projekt, sondern ein Betriebsmodell.
3 Erkenntnisse aus dieser Folge
- 01
IT-Transformation bei Versicherern ist kein Projekt, sondern ein Betriebsmodell. Wer sie als Meilensteinplan denkt, hat in Jahr zwei einen Rückstand, den er in Jahr fünf nicht aufholt.
- 02
Post-Merger-Integrationen sind das härteste Trainingslager für CIOs: Zwei Kulturen, zwei IT-Welten, zwei Roadmaps — und nur eine Zukunft. Wer hier nicht frühzeitig eine gemeinsame Zielarchitektur definiert, zahlt Jahrzehnte an Komplexität.
- 03
Die Rolle IT-Strategie-Architektur-Transformation in einer Rolle zu bündeln ist ein Ansatz, den mehr Versicherer übernehmen sollten. Nur so trägt Entscheidungsverantwortung die Umsetzung durch.
Worum es in dieser Folge geht
Erste Folge der Provinzial-Trilogie, und sie ist auch organisatorisch besonders: Wir haben vor Ort in Münster aufgenommen — in einem der Gebäude des fusionierten Versicherers. André verantwortet gleichzeitig IT-Strategie, IT-Architektur und Digital Transformation. Das ist eine ungewöhnliche Rollenkombination, und genau deshalb ist sie interessant.
Die Storyline
Provinzial heute — fünf Standorte, eine Strategie
Wir sitzen in Münster, Kiel, Hamburg, Düsseldorf und Detmold. Jeder Standort bringt eine Geschichte mit. Unsere Aufgabe ist, eine gemeinsame Zukunft zu bauen — nicht die Vergangenheiten zu vergleichen.
Diese Haltung prägt die gesamte Folge. Provinzial ist aus einer Fusion entstanden, trägt also mehrere IT-Welten mit sich. Andrés Job ist, diese nicht zu harmonisieren im Sinne eines mühsamen Kompromisses — sondern eine gemeinsame Zielarchitektur zu definieren, auf die alle Standorte hinarbeiten.
Die Dreifach-Rolle
André bündelt drei Funktionen, die in anderen Häusern oft getrennt sind: 1. IT-Strategie — Wo wollen wir in 5 Jahren sein? 2. IT-Architektur — Wie sieht das technisch aus? 3. Digital Transformation — Wer setzt das um, in welcher Reihenfolge?
Er argumentiert dafür, dass nur diese Bündelung zu tragfähigen Entscheidungen führt. Wenn Strategie und Architektur in getrennten Rollen sitzen, entstehen Kompromisse, die weder strategisch noch architekturell stark sind.
Die Zielarchitektur — wie sie denken
André beschreibt den Weg ohne Buzzword-Soße: 1. Kern-Systeme konsolidieren, bevor neue Features gebaut werden. 2. Daten-Layer standardisieren, damit alle Anwendungen auf eine Wahrheit zugreifen. 3. API-First statt "noch eine Integration". 4. Cloud nach Bedarf, nicht als Dogma.
Das ist nicht sexy auf Konferenzen — aber es ist die einzig belastbare Reihenfolge.
Die kulturelle Frage
Am Ende landet André an der gleichen Stelle wie viele unserer Gäste: Technik ist das eine, Kultur das andere. Zwei Standorte mit unterschiedlichen Arbeitsweisen zu integrieren, ist schwieriger als jede technische Migration. Dafür braucht es Geduld, sichtbare Quick-Wins und eine klare Narrative, die beiden Seiten Identität lässt.
Warum mich das besonders umtreibt
Ich war erstmals vor Ort bei einer Podcast-Aufnahme in einem Versicherungs-Hauptsitz — und habe aus diesem Gespräch mehr über Versicherungs-IT gelernt als aus vielen Konferenz-Talks. André ist ein gutes Beispiel für eine neue Generation CIOs, die nicht Technik-verliebt ist, sondern unternehmerisch denkt. Für alle, die ähnliche Transformations-Aufgaben vor sich haben, ist diese Folge — und besonders die beiden Folgefolgen mit Sören und Björn — Pflichtprogramm.