In Folge 290 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit David G. (Gründer, Datapods) über Solid. Konkret: Das heutige Web ist bei Datenhoheit strukturell gescheitert — nicht aus böser Absicht, sondern aus Architektur-Erbe. Dezentrale Daten-Modelle sind keine Philosophie, sondern der Reparaturversuch. Self-Sovereign Identity ist in 2025 technisch reif, kommerziell aber in den Kinderschuhen.
3 Erkenntnisse aus dieser Folge
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Das heutige Web ist bei Datenhoheit strukturell gescheitert — nicht aus böser Absicht, sondern aus Architektur-Erbe. Dezentrale Daten-Modelle sind keine Philosophie, sondern der Reparaturversuch.
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Self-Sovereign Identity ist in 2025 technisch reif, kommerziell aber in den Kinderschuhen. Die spannende Frage ist nicht 'ob', sondern 'welche Industrie zuerst'.
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Für Unternehmen ist die Lehre heute: Daten-Ownership-Fragen gehören auf die Agenda — auch wenn SSI erst in 3-5 Jahren mainstream-relevant wird.
Worum es in dieser Folge geht
David hat Datapods gegründet — ein Unternehmen, das sich mit dezentraler, nutzerzentrierter Datenhaltung beschäftigt. Wir sprechen in der Folge bewusst über etwas, das heute in Deutschland nicht Mainstream ist: Self-Sovereign Identity (SSI), Solid-Projekt, dezentrale Daten-Topologien. Nicht als Futurismus — sondern als strategische Vorschau.
Die Storyline
Warum das Web bei Daten gescheitert ist
Das Web wurde nicht für Daten-Ownership gebaut. Es wurde für Hyperlinks gebaut. Dass wir heute drei Mega-Plattformen haben, die 80 % der Nutzerdaten halten, ist kein Betriebsfehler — es ist eine architektonische Zwangsläufigkeit.
Das ist die strategische Kernthese. Wer das heutige Daten-Oligopol kritisiert, ohne die technische Architektur dahinter zu verstehen, schimpft auf Symptome. Die Frage lautet nicht "wie können wir Facebook regulieren?", sondern "wie bauen wir eine Architektur, in der Nutzer ihre Daten besitzen?".
Self-Sovereign Identity — das Kernkonzept
Grundidee: Nutzer:innen halten ihre Daten in einem eigenen "Pod" (einer Art persönlichem Daten-Container). Anwendungen bekommen über granular verwaltete Permissions Zugriff. Der Pod kann beim Nutzer lokal sein, bei einem Anbieter liegen oder in einer kollaborativen Organisation. Was er NICHT tut: Er überträgt Daten nicht dauerhaft in die Anwendung.
Warum es heute noch nicht Mainstream ist
David ist nüchtern: Die Technik ist weitgehend reif. Die kommerziellen Anwendungsfälle sind dünn. Warum? Weil große Plattformen keinen Anreiz haben, Nutzerdaten aus den Händen zu geben. Die Bewegung muss deshalb entweder regulatorisch (EU-Initiativen wie EUDI-Wallet) oder aus Branchen kommen, die regulatorisch zum Datenschutz gezwungen sind.
Was CDOs heute daraus mitnehmen
- Datenhoheits-Fragen werden in 3-5 Jahren relevanter. Besonders in B2C-Bereichen, in denen Nutzerrechte politisch gewichtet werden.
- Architekturen sollten SSI-fähig sein. Nicht heute umstellen, aber APIs und Daten-Layer so bauen, dass sie morgen anbindbar sind.
- In regulierten Branchen Pilotprojekte prüfen. Wer in Health oder Finance arbeitet, kann heute schon sinnvoll experimentieren.
Warum mich das besonders umtreibt
Datapods und vergleichbare Projekte sind keine CDO-Alltagsthemen — aber sie sind strategische Schimmer am Horizont. Ich nehme solche Gespräche bewusst auf, weil ich glaube, dass die besten Data-Verantwortlichen die nächsten 3-5 Jahre mitdenken, nicht nur die nächsten 3-5 Monate. Davids Folge hilft, einen Bereich einzuordnen, der im Fachdiskurs unterbelichtet ist.