3 Erkenntnisse aus dieser Folge
- 01
Composable ist keine Gratis-Entscheidung. Die Initialkosten sind höher — die Ersparnis entsteht erst, wenn das Unternehmen einzelne Komponenten tauscht, ohne das ganze System anzufassen.
- 02
Der entscheidende Hebel ist Ownership. In einem Composable-Setup muss das Unternehmen die Integrationsschicht beherrschen — sonst wird der vermeintliche Flexibilitätsgewinn zum Integrations-Albtraum.
- 03
Jüngere Unternehmen haben den Composable-Vorteil strukturell: Sie müssen keine Legacy ablösen. Wer neu startet, sollte nicht auf Monolith optimieren, um später wechseln zu können — sondern von Anfang an modulare Layer bauen.
Worum es in dieser Folge geht
Inez ist CTO bei Teveo — einem jüngeren Unternehmen, das bewusst auf eine Composable-Architektur setzt statt auf ein Suite-Modell. Wir sprechen in der Folge nicht über Tools, sondern über die Denkweise dahinter: Wann ist Composable richtig, wann falsch, und was kostet die Entscheidung wirklich?
Die Storyline
Composable in der Praxis
Composable heißt nicht, dass du jede Komponente tauschst. Es heißt, dass du jede Komponente tauschen KÖNNTEST — und diese Option ist der eigentliche Wert.
Das ist der strategische Kern. Composable ist eine Versicherung gegen Vendor-Lock-in. Du zahlst Integrationskosten, damit du später Wahlfreiheit hast. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, wie wahrscheinlich du überhaupt einen Wechsel brauchst.
Die ehrlichen Kosten
Inez beschönigt nichts: Wer Composable geht, zahlt im ersten Jahr mehr. Die Integration, die Datenflüsse, die Monitoring-Layer — all das baut man selbst, nicht in einer Suite. Der Break-Even kommt dann, wenn das erste Modul ersetzt werden muss — und das passiert bei vielen Unternehmen schneller als geplant.
Warum Ownership alles ist
Der am häufigsten unterschätzte Punkt: Composable funktioniert nur, wenn das Unternehmen die Integrationsschicht aktiv besitzt — Architecture, Event-Bus, API-Versioning, Observability. Wer das outsourct oder nebenbei laufen lässt, bekommt die Nachteile von Composable (Komplexität) ohne die Vorteile (Flexibilität).
Für welche Unternehmen sich Composable lohnt
Inez' Kriterien: 1. Die Geschäftslogik ändert sich regelmäßig (nicht alle 10 Jahre einmal). 2. Wir haben oder wir bauen in-house Integrations-Expertise. 3. Wir sind in einem Markt, in dem Best-of-Breed-Tools den Unterschied machen.
Wenn alle drei zutreffen: Composable. Wenn nicht alle drei zutreffen: Suite.
Für Teveo: Die Architektur-Wahl als Wettbewerbsvorteil
Teveo ist jünger und kleiner als viele ihrer Konkurrenten — und nutzt genau das als Architektur-Vorteil. Sie können Features schneller ausrollen, weil die modulare Architektur das hergibt. Ein Monolith-Konkurrent muss erst koordinieren, release-planen, regression-testen. Teveo rollt aus und beobachtet.
Warum mich das besonders umtreibt
Die Composable-Debatte wird zu oft auf "entweder-oder" reduziert. Inez macht klar, dass es eine pragmatische Frage der Kontext-Faktoren ist. Und wichtiger: Sie zeigt, dass jüngere Unternehmen einen strukturellen Vorteil haben, wenn sie ihn nutzen. Für deutsche Mittelständler, die vor der Modernisierungs-Frage stehen, ist das ein wichtiger Denkanstoß — nicht "umbauen, weil alle umbauen", sondern "umbauen, wenn meine Geschäftslogik es wirklich verlangt".