In Folge 339 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Tim Engler (CIO, OBI) über Wie OBI-CIO Tim Engler Organisation, ERP und KI in einem traditionsreichen Handelskonzern zusammenbringt. Konkret: Modernisierung immer an ein Business-Zugpferd hängen: OBI koppelte den ERP-Umbau an ein neues Lager in Polen — der Fixtermin erzwang Scope to Time statt Perfektion und zog die unsichtbare Modernisierung mit.
3 Erkenntnisse aus dieser Folge
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Modernisierung immer an ein Business-Zugpferd hängen: OBI koppelte den ERP-Umbau an ein neues Lager in Polen — der Fixtermin erzwang Scope to Time statt Perfektion und zog die unsichtbare Modernisierung mit.
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Organisation vor Technik: erst die Teams in Domains schneiden (nicht zu kleinteilig) und 'you build it, run it' etablieren — dann laufen alle anderen Initiativen parallel weiter, während eine Domain vier Jahre am ERP baut.
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Agentic Engineering dort, wo Prozesse standardisiert und wiederkehrend sind: beim Reverse-Engineering der Warenwirtschaft schrumpft rund ein Jahr Arbeit auf drei Monate — der Engpass wandert von der Hand, die tippt, zu Architektur und Product Ownership.
Worum es in dieser Folge geht
OBI ist über 50 Jahre alt, 660 Filialen, mehr als 40.000 Mitarbeitende — und lange war IT dort schlicht etwas, das funktionieren musste, mehr nicht. Tim Engler, CIO bei OBI und 2024 zum CIO des Jahres gekürt, erzählt in dieser Folge, wie aus dieser IT ein Business-Enabler wurde, der heute den ganzen Konzern end-to-end umbaut.
Wir sprechen über den Traum, den viele C-Level im IT-Bereich haben und den Tim tatsächlich lebt: einmal alles anfassen. Von der Marktplatz-Plattform über eine vierjährige ERP-Modernisierung, den Umstieg von Microsoft auf Google Workspace für 40.000 Menschen bis zu Agentic Engineering, das OBI jetzt zum ersten Mal groß an der Warenwirtschaft und der Kasse einsetzt.
Der rote Faden: Technik, Organisation und Kultur gehören zusammen — und jedes Modernisierungsprojekt braucht ein Business-Zugpferd, das es mitzieht.
Die Storyline
Von der AS/400 zum End-to-End-Umbau
Tim clustert die IT-Landschaft in vier Kategorien: Umsatz-Enabler (Marktplatz, die HeyObi-App, Loyalty), interne Effizienz (Einkauf, Marketing, Logistik, Personal, Finance), die unsichtbare Modernisierung (Stammdaten, PIM, ERP) und den sauberen, Cyber-Security-abgesicherten Betrieb. Das ERP lief noch auf einer AS/400 — zuverlässig, aber ein Risiko bei Support, Fachkräften und vor allem bei der Flexibilität, Geschäftsprozesse zu verändern.
Die mutigste Entscheidung: VTEX statt Platzhirsch
Direkt zu Beginn entschied sich Tim für VTEX als Marktplatz- und Digitalplattform — in Europa ein No-Name, in Lateinamerika mit rund 90 Prozent Marktanteil. Eine risikobehaftete Wette, getrieben von Time-to-Market. Tragbar, weil das Digitalgeschäft nur einen kleinen Teil des Umsatzes ausmacht.
Ich bin ein Freund davon, zu seiner Entscheidung zu stehen und durchzuziehen.
Bei der Kasseninfrastruktur, sagt Tim klar, würde er so einen Move nicht gehen — da zählt Verlässlichkeit vor Time-to-Market.
ERP in vier Jahren — und das Lager, das ein Jahr zu spät kam
Die ERP-Modernisierung auf Microsoft Dynamics hat OBI vier Jahre begleitet. Möglich wurde der Fokus durch eine Verquickung: ein neuer Lagerstandort in Polen, der greenfield und auf einen physischen Fixtermin hin gebaut werden konnte. Das zwang zu Scope to Time — erst das Wesentliche, dann iterieren.
Ich kann nur jedem raten, Scope to Time im Fokus zu haben und lieber erstmal Komplexität abzuschneiden.
Ehrlich wird es beim zweiten Lager in Deutschland: Aus lauter Confidence unterschätzte das Team die Automatisierungstechnik — und musste den Go-live um ein volles Jahr verschieben. Gehalten hat sie die enge Business-Tech-Zusammenarbeit ohne Fingerpointing.
Google statt Microsoft — die Wette auf Gemini
Statt in die Microsoft-365-Welt zu wechseln, führte OBI Google Workspace ein — für 40.000 Mitarbeitende, parallel zum bestehenden Microsoft-Setup, begleitet über moderierte Chat-Spaces, Live-Trainings und E-Learnings. Ausschlaggebend war auch der Glaube an die schnellere KI-Entwicklungskurve. Heute hat bei OBI jede und jeder Gemini — AI demokratisiert, nicht rationiert.
Wenn du als IT-Verantwortlicher ein entspanntes Leben haben willst, dann machst du das nicht.
Agentic Engineering — zuerst an der Warenwirtschaft
OBI probiert Agentic Engineering seit rund einem Jahr entlang des gesamten Software-Development-Lifecycles aus — von Idee und Ticket über Refinement bis Entwicklung, QA und Security. Beim jetzt startenden Umbau von Warenwirtschaft und Kasse soll es das erste Mal groß helfen, vor allem beim Reverse-Engineering gewachsener Systeme: Was früher ein Jahr dauerte, soll in drei Monaten stehen.
Ein Agent ist ja nichts anderes als eine Kombination von einem Workflow mit AI.
Wichtig ist Tim die Bodenhaftung — kein Hype um des Hypes willen:
Wir sind ein Händler, wir sind ein Baumarkt und nicht der most advanced Tech-Laden.
Seine These für die nächsten Jahre: Engineering verschiebt sich vom Schreiben jeder Zeile Code zum Bewerten von Outcomes — und der Engpass wandert zu Architektur und Product Ownership. Wer nicht klar beschreiben kann, was gebaut werden soll, bekommt vom Agenten eben schnellen Quatsch.
Warum mich das besonders umtreibt
Mich lässt der Satz nicht los, dass sich das Bottleneck verschiebt — weg vom Coden, hin zu Architektur und Product Ownership. Ich sehe bei FALKE dasselbe: Wenn Agenten mehr Output liefern, ist die knappe Ressource nicht mehr die Hand, die tippt, sondern der Kopf, der sauber beschreiben kann, was eigentlich gebaut werden soll. Und ehrlich, der Teil, der mich am meisten überzeugt, ist die Anpackerkultur, die Tim beschreibt: Business und Tech im Tandem, ohne Schuldzuweisungen. Das ist unbequemer als jedes Tool — aber es ist der eigentliche Hebel.