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Podcast-Cover MDIBTY Folge 325 mit Markus Unger, vit:bikes

Folge 325

Wie ein Münchner Fahrradladen zum AI-nativen Mittelstand wird

Markus Unger über den Datenkopf hinter 30 Standorten, Vibecoding am Wochenende und warum jeder zweite Händler verschwindet

Markus Unger

Gründer & Geschäftsführer, vit:bikes

·64 Min. ·7 min Lesezeit

In Folge 325 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Markus Unger (Gründer & Geschäftsführer, vit:bikes) über den Datenkopf hinter 30 Standorten, Vibecoding am Wochenende und warum jeder zweite Händler verschwindet. Konkret: AI-nativ ist eine Haltung, keine Branchenfrage.

3 Erkenntnisse aus dieser Folge

  1. 01

    AI-nativ ist eine Haltung, keine Branchenfrage. vit:bikes beweist, dass ausgerechnet ein Fahrradhändler datengetrieben werden kann — weil Markus Prozesse systematisch baut statt mehr Stunden zu schieben. Reifegrad entsteht durch Bauen, nicht durch Arbeiten.

  2. 02

    Fokus schlägt Breite. Die bewusste Wette, von zehn Fahrradmarken auf zwei zu reduzieren, hat den Absatz dieser Marken vervierfacht. Datengetriebene Entscheidungen heißen oft: bewusst weglassen, statt alles ein bisschen zu machen.

  3. 03

    Der Markt spaltet sich in Gestalter und Abwartende. Im Bike-Handel verschwindet trotz Wachstum jeder zweite Händler — fehlende Nachfolger, Ein-Personen-Abhängigkeit, kein Systemdenken. Wer jetzt „wird schon" sagt, wird mit KI endgültig abgehängt.

Worum es in dieser Folge geht

Markus Unger hat mit 16 als Aushilfe in einem Fahrradladen angefangen — und daraus etwas gebaut, das es in der Branche so vorher nicht gab: vit:bikes, über 30 Standorte, rund 200 Mitarbeitende, eine eigene Akademie und ein YouTube-Kanal mit 180.000 Abonnenten. Im Zentrum steht ein „Datenkopf", der all das zusammenhält und steuert.

Ich wollte verstehen, wie ausgerechnet ein Münchner Fahrradladen zu einer Art datengetriebenen Organisation wird — und was der Rest des Mittelstands davon lernen kann. Markus ist Autodidakt, baut sich seine Tools am Wochenende selbst (Stichwort Vibecoding) und denkt über sein Geschäft wie ein Data-Mensch. Genau diese Kombination macht die Folge so wertvoll.

Die Storyline

Vom Aushilfen zum Datenkopf

Markus' Weg ist die Mittelstandsgeschichte schlechthin: reingewachsen, nie etwas studiert, gelernt durch Machen. Heute steuert ein zentraler Datenkopf das gesamte Netzwerk.

Warum jeder zweite Händler verschwindet

Der Bike-Markt ist über 22 Jahre gewachsen — und trotzdem stirbt jeder zweite Händler. Die Gründe: fehlende Nachfolger, eine Ein-Personen-Abhängigkeit (einer macht Einkauf, Werkstatt, Buchhaltung, Marketing) und Banken, die das nicht mehr finanzieren.

Die einen sagen: Jetzt gebe ich Vollgas. Die anderen sagen: Das wird schon. Und genau die werden untergehen — gerade jetzt mit KI.

— Markus Unger

Das Speichenregal-Prinzip

Markus' Schlüsselmoment war ein Zusammenbruch: sieben Tage durchgearbeitet, von sechs Uhr bis Mitternacht, ohne zu essen — bis der Körper streikte. Die Erkenntnis: Mehr Arbeit ist nicht die Lösung. An einem Freitagabend hat er privat ein Speichenregal gebaut, damit niemand mehr Speichen aus Kartons suchen muss. Dieselbe Bewegung — ein Problem einmal richtig lösen statt jeden Tag ertragen — steckt heute hinter jedem System im Unternehmen.

Es ist die Geschichte vom Holzfäller, der keine Zeit hat, die stumpfe Axt zu schärfen, weil er ja sägen muss. Genau dieses Innehalten ist der Hebel, den die meisten auslassen.

Die Marken-Wette

Eine der klarsten datengetriebenen Entscheidungen: Markus hat aus einer Wette heraus das Sortiment von zehn Fahrradmarken auf zwei fokussiert.

Weniger, aber richtig. Das ist der Kern datengetriebener Steuerung: bewusst weglassen, statt alles ein bisschen zu machen.

1 % besser, jeden Tag

Auf Markus' Laptop klebt ein Satz, der seine ganze Methodik zusammenfasst. Früher hat er morgens aus dem Fenster geschaut, ob die Sonne scheint, um den Tag einzuschätzen. Heute treffen seine Läden Entscheidungen auf Datenbasis.

Du kannst dir jeden Tag überlegen, was du machst. Die eigentliche Frage ist: Was machst du jeden Tag ein bisschen besser?

— Markus Unger

Viele Menschen, sagt Markus, überlegen ständig, bauen Konzepte — und setzen nichts um. Der Unterschied liegt im Tun.

Warum mich das besonders umtreibt

Mich treibt um, wie sehr Markus das Gegenargument zu einer bequemen Ausrede ist, die ich ständig höre: „Datengetrieben, KI, das ist was für die Großen, nicht für uns." Falsch. vit:bikes ist ein Fahrradhändler. Analoger geht es kaum. Und trotzdem ist dieses Unternehmen datengetriebener als manche DAX-Tochter, die ich von innen gesehen habe — weil eine Person beschlossen hat, Systeme zu bauen, statt Stunden zu schieben.

Was mich am meisten umtreibt, ist die Spaltung, die sich abzeichnet. Der Mittelstand teilt sich gerade in Gestalter und Abwartende. Die Gestalter brauchen keine perfekte Datenstrategie — sie brauchen die Haltung, ein Problem einmal richtig zu lösen und jeden Tag ein Prozent besser zu werden. Die Abwartenden sagen „wird schon". Und die Gewinner und Verlierer dieser Dekade werden nicht über das Budget entschieden, sondern über diese eine Entscheidung: innehalten und die Axt schärfen — oder weiter stumpf sägen.

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