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Podcast-Cover MDIBTY Folge 326 mit Bernhard Steimel, Smarter Service Institut

Folge 326

Warum die Digitalisierungs-Gewinner jetzt die KI-Gewinner werden

Bernhard Steimel über fünf Studien, das Reifegradmodell und warum KI-Meister viermal mehr aus ihren Investitionen holen

Bernhard Steimel

Gründer & Analyst, Smarter Service Institut

·55 Min. ·7 min Lesezeit

In Folge 326 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Bernhard Steimel (Gründer & Analyst, Smarter Service Institut) über fünf Studien, das Reifegradmodell und warum KI-Meister viermal mehr aus ihren Investitionen holen. Konkret: Digitale Reife zahlt sich messbar aus.

3 Erkenntnisse aus dieser Folge

  1. 01

    Digitale Reife zahlt sich messbar aus. Unternehmen, die im Reifegradmodell als KI-Meister gelten, erzielen aus ihren KI-Investitionen rund den vierfachen Wertbeitrag wie Starter. KI ist kein Gleichmacher, sondern ein Verstärker bestehender Reife.

  2. 02

    KI-Reife hinkt der Digitalisierung acht Jahre hinterher. Wo Unternehmen heute bei KI stehen, standen sie vor acht Jahren bei der Digitalisierung. Wer die Digitalisierung verschlafen hat, startet bei KI nicht bei null, sondern mit Rückstand.

  3. 03

    Die Realität ist Gen-AI, nicht Agentics. Über 60 Prozent sehen messbare Effizienzgewinne, bezogen auf den einzelnen Use Case bis zu 80 Prozent — aber echte Agentensysteme sind kaum im produktiven Einsatz. Zwischen Pilot und Produktion klafft weiter eine Lücke.

Worum es in dieser Folge geht

Bernhard Steimel ist Analyst und Gründer des Smarter Service Institut — und einer der wenigen, die die digitale Reife deutscher Unternehmen wirklich über die Zeit gemessen haben. Seit 2017 hat er fünf Studien vorgelegt: von der „Digitalen Dividende" über die „Resilienzmeister" 2021 bis zu den aktuellen „Zukunftsmachern".

Diesmal drehen wir den Spieß um: Sonst ist Bernhard der Interviewer, jetzt sitzt er bei mir. Wir nehmen seine aktuelle Studie auseinander — 50 Gespräche, 60 Stunden Interviewmaterial, Top-1000-Familienunternehmen — und gehen der Frage nach: Wer gewinnt eigentlich gerade bei KI, und warum?

Die Storyline

Fünf Studien, ein Reifegradmodell

Bernhards Stärke ist die Konstanz: Dasselbe Reifegradmodell (Starter, Fortgeschrittene, Experten, Meister) im Einsatz seit acht Jahren — gemessen in zwei Dimensionen, Digitalisierung insgesamt und KI im Speziellen.

Die zentrale These

Der Satz, der für mich die ganze Folge trägt:

Da, wo wir heute in der KI-Reife stehen, standen wir in der Digitalisierungsreife vor acht Jahren.

— Bernhard Steimel

KI ist kein Reset. Sie baut auf der Digitalisierungs-Hausaufgabe auf. Wer die liegen gelassen hat, fängt bei KI mit Rückstand an.

Der Vierfach-Effekt

Die härteste Zahl der Studie betrifft die Gewinner-Verlierer-Schere:

Von dem, was die Meister in KI investieren, haben die viermal mehr Output, also Wertbeitrag, als diejenigen in der Starterposition.

— Bernhard Steimel

Gleiche Investition, vierfacher Ertrag — allein wegen der Reife dahinter.

Effizienz ja, Agentics kaum

Bernhards Arbeitshypothese war: Macht KI Unternehmen effizienter, leistungsfähiger, wachstumsstärker? Die Antwort auf die Effizienz ist klar — über 60 Prozent sehen messbare Gewinne, bezogen auf den einzelnen Use Case bis zu 80 Prozent. Beim Wachstum hängen rund 40 Prozent am digitalen Geschäftsmodell.

Beim Reifegrad der Technologie wird er allerdings nüchtern:

Agentics habe ich so gut wie nichts gesehen. Vieles von dem, was wir beobachtet haben, ist Gen-AI.

— Bernhard Steimel

Wo es funktioniert, funktioniert es beeindruckend: ein Gebäudeversicherer, vorher der schlechtest bewertete am Markt, hat die Schadensbearbeitung in Agenten gegeben und ist heute top-geratet. Ein Backofenhersteller hat über 100.000 SAP-Einkaufstransaktionen automatisiert.

Die gesunde Naivität

Zugleich räumt Bernhard mit dem Pilot-Optimismus auf: Vieles kommt über POC oder MVP nie hinaus. Sein Beispiel — eine vernetzte Landmaschinen-Plattform, die nach Jahren wieder eingestellt wurde. Dazu das typisch deutsche Understatement statt amerikanischem Overselling. Bezeichnend: Bernhard hat seine eigene Podcast-Website komplett mit Claude gebaut — und damit das Geschäftsmodell seiner früheren 15-Jahre-Webagentur für erledigt erklärt.

Warum mich das besonders umtreibt

Mich treibt um, dass Bernhards Daten eine Erzählung zerlegen, die ich überall höre: „KI ist der große Gleichmacher, jetzt können auch die Nachzügler aufholen." Die Zahlen sagen das genaue Gegenteil. KI ist ein Verstärker. Sie multipliziert die Reife, die schon da ist — und dehnt damit den Abstand zwischen Gewinnern und Verlierern, statt ihn zu schließen.

Was mich am meisten umtreibt, ist die Acht-Jahre-Lücke. Wer die Digitalisierung als „machen wir, wenn Zeit ist" behandelt hat, beginnt bei KI nicht bei null, sondern bei minus acht Jahren — und die Schere öffnet sich pro investiertem Euro im Verhältnis vier zu eins. Das ist die unbequemste Botschaft dieser Folge: Der KI-Vorsprung von morgen wird heute nicht mit dem nächsten Tool gewonnen, sondern war längst eine Frage der Digitalisierungs-Disziplin von gestern.

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