In Folge 272 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Ursula Krause (Head of Data & Analytics, Sky Deutschland) über Media Data. Konkret: In Medienunternehmen treffen zwei Entscheidungs-Welten aufeinander: Kreativ (Hollywood-DNA) und Data-driven (Streaming-DNA). Wer versucht, eine gegen die andere zu gewinnen, verliert die Balance.
3 Erkenntnisse aus dieser Folge
- 01
In Medienunternehmen treffen zwei Entscheidungs-Welten aufeinander: Kreativ (Hollywood-DNA) und Data-driven (Streaming-DNA). Wer versucht, eine gegen die andere zu gewinnen, verliert die Balance.
- 02
Zuschauer-Daten sind mächtig, aber auch gefährlich. Wer Inhalte ausschließlich nach Nutzungszahlen entscheidet, bekommt mittelmäßige Programme — weil Mittelmaß am meisten konsumiert wird.
- 03
Data-Culture in Medien entsteht, wenn Kreative Daten als Fragestellungs-Werkzeug erleben, nicht als Qualitäts-Urteil. Der Unterschied ist feinsinnig, aber fundamental.
Worum es in dieser Folge geht
Ursula verantwortet Data & Analytics bei Sky Deutschland. Ein besonderes Umfeld: Ein Medienunternehmen, das sowohl klassische TV-DNA als auch Streaming-Denken verbindet. Wir sprechen darüber, wie man in diesem Spannungsfeld Datenkultur etabliert.
Die Storyline
Zwei Welten, eine Organisation
Auf der einen Seite Menschen, die seit Jahrzehnten Inhalte nach Gefühl auswählen. Auf der anderen Seite Streaming-Teams, die jede Sekunde Konsumverhalten tracken. Meine Aufgabe ist, beide Seiten zu respektieren — und zu verknüpfen.
Das ist die Kultur-Realität in Medienunternehmen. Hollywood-DNA und Streaming-DNA sind nicht einfach "alt vs. neu" — beide haben legitime Argumente. Programm-Entscheidungen nur nach Daten zu treffen, produziert Mittelmaß. Ausschließlich nach Bauchgefühl zu entscheiden, ignoriert belastbare Signale.
Die Falle der Nutzungs-Maximierung
Ursula macht klar: Wenn du Content nur nach "was wird gesehen" auswählst, entstehen Formate, die von vielen halb angeschaut werden — aber niemanden wirklich binden. Kulturelle Relevanz entsteht aus Wagemut, nicht aus Statistik.
Data als Fragestellungs-Werkzeug
Ihr Ansatz: Daten liefern die Fragen, nicht die Antworten. "Warum wird diese Szene übersprungen?" ist ein Daten-Signal, das Kreative interessiert. "Diese Folge hat eine niedrigere Bewertung" ist ein Urteil, das abwehrt.
Der Unterschied ist feinsinnig, aber er entscheidet, ob Kreative mit Datenteams zusammenarbeiten — oder sie ignorieren.
Was Sky anders macht
- Gemischte Diskussionsformate: Daten-Team und Produktions-Team treffen sich in regelmäßigen Formaten.
- Hypothesen-Tests: Neue Formate werden nicht "freigegeben" oder "verworfen", sondern mit kleinen Kohorten getestet.
- Transparenz der Methodik: Wenn ein Daten-Signal genannt wird, wird auch erklärt, wie es erhoben wurde.
Was andere Branchen daraus lernen
- Daten sind eine Stimme, nicht das Urteil.
- Nutzungs-Maximierung produziert Mittelmaß. Auch in Marketing, Retail, Service.
- Kultur entsteht durch gemeinsame Rituale, nicht durch Vorträge.
Warum mich das besonders umtreibt
Ich habe in der Beratung erlebt, wie Medienunternehmen mit datengetriebener Transformation kämpfen — und oft scheitern, weil sie die kulturelle Dimension unterschätzen. Ursulas Folge ist ein Leitfaden, wie man es besser macht. Aber auch für Unternehmen außerhalb der Medien ist die Grundhaltung wertvoll: Daten unterstützen, sie ersetzen keine Urteile.