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Podcast-Cover MDIBTY Folge 336 mit Gunnar Hoffmann, Sana Kliniken

Folge 336

Wie findet man einen Patienten in 20 verschiedenen Klinik-Systemen?

Gunnar Hoffmann (Sana Kliniken) über ein durch Zukäufe gewachsenes Insel-Problem, warum Klinik-Daten mit HL7 und FHIR anders funktionieren, den Master Patient Index über die ganze Patient-Journey — und warum ohne Daten keine KI läuft

Gunnar Hoffmann

Chief Data Officer, Sana Kliniken AG

·50 Min. ·8 min Lesezeit

In Folge 336 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Gunnar Hoffmann, Chief Data Officer der Sana Kliniken AG. Es ist Teil 2 der Sana-Doppelfolge (nach Folge 335 mit Stefanie Kemp) — und geht in die technische Tiefe: ein durch Zukäufe gewachsenes Insel-Problem, klinische Standards wie HL7 und FHIR, ein Master Patient Index über die gesamte Patient-Journey und die klare Reihenfolge: erst das Datenfundament, dann die KI.

3 Erkenntnisse aus dieser Folge

  1. 01

    Das Insel-Problem gewachsener Konzerne: Sana ist über 20 Jahre durch Zukäufe entstanden — jede Klinik brachte ihre eigene IT mit, abgekapselt wie eine kleine Insel. Die zentrale Aufgabe des Chief Data Officer ist, diese heterogenen Daten über Systeme, Prozesse und Standorte hinweg konzernweit verfügbar und vergleichbar zu machen.

  2. 02

    Klinik-Daten sind eine eigene Welt: Schnittstellen-Standards wie HL7 und FHIR gibt es fast nur im Gesundheitswesen; statt eigener Data Warehouses nutzt man vorkonfigurierte klinische Datenmodelle (Medizininformatik-Initiative). Ein Master Patient Index verknüpft die gesamte Patient-Journey — für die Behandlung und die Sekundärverwendung in der Forschung.

  3. 03

    Erst die Daten, dann die KI: Rund 95 Prozent der KI-POCs bleiben ohne Impact, weil das Datenfundament fehlt. Sana dreht den Ansatz um — zuerst das Clinical Data Repository, dann die KI-Use-Cases. Und Data Governance verkauft Gunnar bewusst positiv: über den Wert kuratierter Daten, nicht über Regeln.

Worum es in dieser Folge geht

Gunnar Hoffmann ist Chief Data Officer der Sana Kliniken AG — vom Bodensee über ein VWL-Studium in Konstanz und die Wirtschaftsinformatik in die Business-Intelligence-Welt, mit Stationen in Beratung, bei Versicherungen und bei ProSiebenSat.1, bevor er vor fast 17 Jahren ins Gesundheitswesen wechselte. Seit rund vier Jahren verantwortet er als CDO das Daten-Ökosystem des Konzerns — direkt am Vorstand angesiedelt.

Diese Folge ist Teil 2 der Sana-Doppelfolge. Während Stefanie Kemp in Folge 335 die Transformation aus der Konzernperspektive beschreibt, gehen Gunnar und ich hier unter die Oberfläche: Wie kommt man an die Daten, die aus Dutzenden Systemen ein gemeinsames Fundament machen?

Die Storyline

Gewachsen durch Zukäufe: das Insel-Problem

Sana ist über die letzten 20 Jahre vor allem durch Wachstum groß geworden — Krankenhäuser, Arztsitze, medizinische Versorgungszentren, Dienstleister. Und mit jeder Übernahme kam eine eigene IT mit ins Haus.

Jedes Krankenhaus hat ein Stück weit seine eigene IT mitgebracht, abgekapselt wie eine kleine Insel. Diese Daten konzernweit verfügbar zu machen, ist die große Herausforderung.

— Gunnar Hoffmann, Sana Kliniken (Minute 9)

Es geht dabei längst nicht nur um klinische Daten: Auch Einkauf und Logistik, Finanzen und HR erzeugen hochrelevante Daten für die Konzernsteuerung. Der Schwerpunkt liegt aber zunehmend auf den klinischen Daten — dort ist der Wertbeitrag am größten.

Warum Klinik-Daten anders sind: KISS, HL7 und FHIR

Ein Clinical Data Repository (CDR) ist im Kern eine analytische Datenplattform — aber mit Besonderheiten, die es sonst nirgends gibt. Um Daten überhaupt aus den Primärsystemen zu bekommen, braucht man Schnittstellen-Standards, die im Gesundheitswesen entstanden sind: HL7 und das modernere, web-nahe FHIR.

Statt sich ein eigenes Datenmodell zu bauen, nutzt man etablierte, standardisierte klinische Modelle — die Komplexität wäre sonst nicht beherrschbar. Der Grundgedanke bleibt vertraut: Extract, Transform, Load und das Bronze-Silber-Gold-Prinzip.

Ein Patient, viele Systeme: der Master Patient Index

Jedes Krankenhaus hat ein zentrales Klinisches Informationssystem — das KISS, das Primärsystem. Darum herum liegen spezialisierte Systeme: Labor, Radiologie, Herzkatheter. In einer Notaufnahme werden Stammdaten, Versicherung, Anamnese, Diagnose und Vitalparameter erhoben — und wandern durch diese Systemlandschaft, am Ende zurück ins KISS, weil dort abgerechnet wird.

Genau hier setzt der Master Patient Index an: Er erkennt, dass „Jonas" in zwei Kliniken und davor in einer ambulanten Praxis war — und macht die gesamte Behandlungshistorie (Longitudinal-Daten) nutzbar. Für die Behandlung selbst, aber auch für die Sekundärverwendung: Behandlungspfade optimieren, Qualität verbessern, Forschung ermöglichen.

Ohne Daten keine KI — und die 95-Prozent-Falle

Als ich die McKinsey-Zahl einwerfe, dass rund 95 Prozent der KI-POCs ohne Impact bleiben, bringt Gunnar den Mechanismus auf den Punkt: Man kauft ein cooles Tool, dreht sich um — und stellt fest, dass die passenden Daten fehlen.

Ohne Daten keine KI. Und genau da setzen wir wieder an. Wir wollen die Datenverfügbarkeit erst einmal erhöhen.

— Gunnar Hoffmann, Sana Kliniken (Minute 34)

Deshalb dreht Sana den Ansatz um: erst die standardisierte Datengrundlage im CDR schaffen — über alle Kliniken hinweg oder gezielt pro Fach-Use-Case — und dann die KI-Tools aufsetzen. Datenqualität setzt dabei nicht bei den Ärzten an (die sind für die Gesundheit da, nicht für die Data Scientists), sondern bei den Prozessen und Systemen: strukturierte Eingabe, Spracherfassung, die per KI ins KISS übersetzt wird.

Governance positiv verkaufen — und der Rat an den Data Engineer

Ein Punkt, der eng an meine eigenen Meetup-Diskussionen anschließt: Governance nicht als Regelwerk, sondern als Wertversprechen.

Data Governance verkaufe ich immer positiv — nicht über Regeln, sondern über den Wert, den kuratierte Daten haben. So bekommt man die Leute in die Verantwortung.

— Gunnar Hoffmann, Sana Kliniken (Minute 30)

Und sein Rat an jeden, der morgen anfängt, Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenzuführen — ob Klinik oder Mittelstand:

Nur Technologie ist zu kurz gedacht. Du musst die Daten verstehen: Wer nutzt sie, was will man mit ihnen erreichen?

— Gunnar Hoffmann, Sana Kliniken (Minute 44)

Konzentrier dich auf einen Technologie-Stack, statt fünf halb auszuprobieren — aber vergiss über der Technik nie die Daten. Und wenn etwas „nicht geht", liegt es selten an der Technik, sondern an Zeit und Geld.

Warum mich das besonders umtreibt

Was ich mitnehme, ist die Universalität hinter dem Klinik-Spezialfall. Das Insel-Problem — jede zugekaufte Einheit bringt ihre eigene IT mit — sitzt in fast jedem gewachsenen Konzern. Und die 95-Prozent-Falle bei KI-POCs ist für mich kein Klinik-Thema, sondern der Beleg für meinen Kernsatz: erst die Daten, dann die KI.

Am meisten bleibt Gunnars Marsianer-Bild hängen: ein Riesenproblem in kleine, datenbasierte Schritte zerlegen — und trotzdem das große Ganze im Blick behalten. Genau so baut man ein Datenfundament, das am Ende auch KI trägt. Wer die ganze Sana-Geschichte will, hört Teil 1 mit Stefanie Kemp in Folge 335.

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Über den Gast

Gunnar Hoffmann ist Chief Data Officer der Sana Kliniken AG und verantwortet dort das konzernweite Daten-Ökosystem — direkt am Vorstand angesiedelt. Nach VWL- und Wirtschaftsinformatik-Studium und Stationen in Beratung, Versicherung und bei ProSiebenSat.1 ist er seit rund 17 Jahren im Gesundheitswesen und seit rund vier Jahren als CDO für Datenstrategie, Data Governance und das Clinical Data Repository der Sana Kliniken zuständig.

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