Zurück zum KI im Marketing-Leitfaden
KI im Marketing — Cover

KI im Marketing · Cluster

KI-Compliance und EU AI Act

KI-Compliance und EU AI Act: was Jonas Rashedi (Chief Digital Officer, MDIBTY-Host) in diesem Leitfaden-Cluster erklärt. EU AI Act im Marketing-Kontext: Risiko-Einstufung, Transparenzpflichten, Dokumentation. Was für Marketing-Teams relevant ist und was nicht. Beantwortet u. a.: ai act compliance; ki regulierung marketing. Teil des Leitfadens „KI im Marketing" auf jonas-rashedi.de.

EU AI Act im Marketing-Kontext: Risiko-Einstufung, Transparenzpflichten, Dokumentation. Was für Marketing-Teams relevant ist und was nicht.

730 Wörter 3 min Lesezeit

Der EU AI Act ist 2024 beschlossen, tritt in Stufen in Kraft und gilt in wesentlichen Teilen ab 2026. Für Marketing-Teams ist die Lage weniger dramatisch als oft kommuniziert — aber Compliance-Arbeit fällt trotzdem an.

Die vier Risiko-Kategorien

Unacceptable Risk (verboten).

Für typische Marketing-KI nicht relevant — kein Unternehmen im Mittelstand produziert diese Anwendungen.

High Risk (strenge Auflagen).

Für Marketing nur dann relevant, wenn KI in HR-Prozesse reingeht (z. B. automatisierte Lebenslauf-Sichtung) oder Kredit-Scoring-Entscheidungen vorbereitet.

Limited Risk (Transparenzpflicht).

Das ist die Kategorie, in die die meisten Marketing-Anwendungen fallen. Pflicht: Nutzer müssen erkennen können, dass es sich um KI handelt.

Minimal Risk (keine spezifischen Pflichten).

Hier fallen die meisten Personalisierungs- und Recommendation-Systeme rein — vorausgesetzt, sie betreiben kein kritisches Profiling.

Einordnung typischer Marketing-Anwendungen

| Anwendung | Risikostufe | Transparenzpflicht | |---|---|---| | Chatbot (Kundenservice) | Limited Risk | Ja | | Recommendation-Engine (Produkte) | Minimal | Nein | | AI-generierte Bilder in Kampagnen | Limited | Ja, bei Deepfake-Charakter | | AI-generierte Texte im Newsletter | Limited | Ja (Empfehlung) | | Personalisierungs-Segmente | Minimal | Nein | | Churn-Prognose | Minimal | Nein | | Dynamic Pricing | Kontext-abhängig | Bei Kundenkonfrontation transparent | | Biometrie für Check-in | High Risk | Ja, strenge Auflagen |

Was Transparenzpflicht praktisch heißt

Bei Chatbots:

Bei AI-generiertem Content:

Bei Deepfakes (z. B. AI-Gesicht in Werbespot):

Dokumentationspflichten

Auch bei limited risk brauchst du eine minimal-Dokumentation pro KI-System:

Risiko-Inventar: Liste aller eingesetzten KI-Systeme mit Risikostufe, Zweck, Datenquellen, Anbieter.

Datenbasis: Welche Daten fließen in Training/Betrieb? Woher? Mit welcher Rechtsgrundlage?

Funktionsweise: Kurzbeschreibung, was das System macht — auch für Laien verständlich.

Menschliche Aufsicht: Wer prüft die Outputs? In welcher Frequenz? Eskalations-Pfade.

Fehler-Handling: Was passiert, wenn das System Fehler macht? Wer reagiert?

Für minimal-risk-Systeme reicht diese Dokumentation in Kurzform (1–2 Seiten). Für limited-risk etwas ausführlicher.

Urheberrecht bei AI-Content

Ein häufig übersehener Aspekt: AI-generierte Inhalte haben in der EU keinen oder nur eingeschränkten Urheberschutz. Praktische Konsequenzen:

Für Marketing: Kein Blocker, aber bewusst sein. Kritische Kampagnen-Assets (Keyvisuals, Claims) lieber mit menschlicher Bearbeitung über die Schwelle heben.

DSGVO-Überschneidungen

Der EU AI Act ersetzt nicht die DSGVO. Beide gelten parallel. Wichtig:

Automatisierte Entscheidungen (DSGVO Art. 22):

Profiling-Transparenz:

Data Subject Rights:

Der Compliance-Check in 90 Minuten

Ein pragmatischer Einstieg für Marketing-Teams:

30 Minuten — Inventarisierung. Welche KI-Systeme nutzen wir? Intern, von Anbietern, als Feature in Plattformen? Typisch 10–30 Systeme in einer mittelständischen Marketing-Abteilung.

30 Minuten — Risiko-Einstufung. Pro System nach der 4-Kategorien-Matrix einordnen. Meiste Systeme landen in minimal oder limited.

30 Minuten — Gap-Analyse. Welche Transparenz- und Dokumentations-Anforderungen sind nicht erfüllt? Priorisieren.

Das Ergebnis ist eine Roadmap — keine 6-monatige Compliance-Reorganisation.

Häufige Fehler

Fehler 1 — Ignorieren. „Gilt nicht für uns." Gilt 2026 für praktisch jede Firma, die KI einsetzt.

Fehler 2 — Überreagieren. Full-Time-Compliance-Officer für minimal-risk Anwendungen ist überzogen.

Fehler 3 — Anbieter-Verantwortung ignorieren. Deine KI-Anbieter (GPT, Claude etc.) tragen Teile der Compliance — aber nicht alles. Vertragsklarheit wichtig.

Fehler 4 — Transparenz als Marketing-Nachteil sehen. Studien zeigen: Transparente KI-Kennzeichnung verringert Akzeptanz meist nicht spürbar. Risiko ist oft überschätzt.


Verbindungen: Generative AI Use Cases für operative Anwendung. KI-Agenten für Compliance-kritische Automatisierung.