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Podcast-Cover MDIBTY Folge 328 mit Tim Wiegels und Jonas Rashedi

Folge 328

Warum AI-Projekte sofort veralten

Tim & Jonas über Claude-Workflows, die Bitkom-Zahlen 2026 und fünf Kostenfallen, die jedes KI-Projekt sprengen

Tim Wiegels

Co-Host & selbstständiger Data-Experte · Tim & Jonas Stammformat

·48 Min. ·7 min Lesezeit

In Folge 328 von MY DATA IS BETTER THAN YOURS (MDIBTY) spricht Jonas Rashedi mit Tim Wiegels (Co-Host & selbstständiger Data-Experte) im Tim-&-Jonas-Stammformat über Claude-Workflows, die Bitkom-Zahlen 2026 und fünf Kostenfallen, die jedes KI-Projekt sprengen. Konkret: KI ist ein Produkt mit laufenden Kosten, kein Projekt mit Einmalkosten.

3 Erkenntnisse aus dieser Folge

  1. 01

    KI ist ein Produkt mit laufenden Kosten, kein Projekt mit Einmalkosten. Was im POC 80 Euro im Monat kostet, sind in Produktion schnell 8.000 — und mit jedem Modellwechsel verschieben sich Limits und Token-Preise. Wer keinen 50-Prozent-Puffer einplant, kalkuliert sich selbst in den Cost-Overrun.

  2. 02

    Die erste Hälfte jedes KI-Projekts ist Datenarbeit, nicht KI. 40 bis 60 Prozent der Laufzeit gehen für Stammdaten-Bereinigung drauf — wie schon bei jedem Data-Science-Projekt davor. Ein Datenqualitäts-Sprint vor dem Use-Case-Sprint ist Pflicht, kein Nice-to-have.

  3. 03

    Das schnelle KI-Projekt ist oft am Tag der Auslieferung veraltet. Eine Plattform, die drei Jahre Bauzeit hat, liefert ein drei Jahre altes Toolset aus. Der einzige Schutz: Modelle austauschbar halten, mindestens zwei Anbieter parallel fahren und Vendor-Lock-in als bewusste Entscheidung behandeln.

Worum es in dieser Folge geht

Das hier ist eine Comeback-Folge unseres Stammformats: Tim Wiegels und ich haben uns lange nicht zum Aufnehmen getroffen — Leben, Umzug nach Düsseldorf, viel Reise — und steigen jetzt mit einem neuen Schnitt wieder ein. Drei News, mein Kommentar dazu, dann ein Deep Dive in Thesen, Zahlen und Frameworks. Diesmal mit einem Thema, das beim KI-Hype gern überhört wird: das Geld.

Denn während alle über Möglichkeiten reden, redet kaum jemand über die Rechnung. Wir nehmen uns die Bitkom-KI-Studie 2026 vor, sprechen über die neuen Private-Equity-Joint-Ventures von OpenAI und Anthropic, über Snowflakes Vorstoß zur Control Plane für Agenten — und arbeiten uns durch fünf Kostenfallen, die in fast jedem KI-Projekt zuschlagen. Am Ende steht eine Wette, die wir 2027 überprüfen werden.

Die Storyline

Drei Jahre alt am Tag der Auslieferung

Die Anekdote, die der ganzen Folge ihren Titel gibt: Ich habe mit einem Bekannten von einer der Big-Four-Beratungen gesprochen. Stolzes, großes Projekt — ein Kunde bekommt eine eigene ChatGPT-Plattform gebaut, fertig im Jahr 2027. Mein erster Gedanke war nicht Bewunderung, sondern Mitleid mit dem Kunden.

Dann hat der Kunde ein Modell oder ein Toolset, das drei Jahre veraltet ist. Wenn du diese Plattform baust, muss das Modell einfach austauschbar sein. Das ist wirklich das Wichtigste.

— Tim Wiegels

Genau das ist der Kern: In einem Feld, in dem sich die Modelle im Monatsrhythmus überholen, ist eine dreijährige Bauzeit kein Zeichen von Gründlichkeit, sondern von Veralten by Design. Die Konsequenz ist nicht „langsamer bauen", sondern „austauschbar bauen".

Du kannst KI nicht budgetieren

Die Bitkom-Studie liefert die Zahlen zur Stimmung: Die KI-Nutzung in deutschen Unternehmen hat sich von 17 Prozent (2024) auf 41 Prozent (2026) mehr als verdoppelt, bei Unternehmen über 500 Mitarbeitenden liegt sie schon bei 60 Prozent. Und ein Drittel sagt offen, dass die geplanten KI-Kosten überschritten werden.

Tims Take dazu finde ich präziser als die meisten Beratungs-Slides:

Du kannst gerade das gar nicht scopen oder planen. Du kannst nicht budgetieren, was das kostet, weil du überhaupt nicht weißt, was in einem halben Jahr an Möglichkeiten da ist.

— Tim Wiegels

Meine Antwort darauf ist unbequem, aber ehrlich: Wer heute ein KI-Projekt seriös rechnen will, plant mindestens 50 Prozent Puffer ein. Und selbst das ist eher Hoffnung als Plan.

Die fünf Kostenfallen

Den Kern der Folge bildet ein kleines Framework, das wir live durchgespielt haben — fünf Fallen, in die fast jeder tappt:

Die wichtigste Falle ist für mich die erste. Ob KI-Projekt, Attribution oder Customer Understanding — das Problem ist immer dasselbe: Die ersten Monate räumst du Stammdaten auf, nicht Modelle.

KI als bequeme Ausrede

Ein Thema, bei dem ich deutlich werde: die Welle der „20 Prozent wegen KI"-Entlassungen. Ich glaube den allerwenigsten dieser Geschichten.

Ich würde meinen Arsch drauf verwetten, dass fast alle dieser Cases eh geplante Restrukturierungen gewesen sind — und KI ist eine schöne Ausrede.

— Jonas Rashedi

Es gibt bisher praktisch keine belastbaren Fälle, in denen jemand 20 Prozent des Budgets in KI gesteckt und dann 10 Prozent mehr Umsatz gemeldet hätte. Wo solche Pläne fehlen, ist „KI" oft nur das Etikett auf einer Entscheidung, die ohnehin gefallen war — so wie es die Pandemie für viele Restrukturierungen war.

Die Wette: Cost-Overrun 2027

Zum Schluss eine Wette, die wir in den Shownotes festhalten und 2027 überprüfen. Tim setzt darauf, dass in der Bitkom-Studie 2027 rund 45 Prozent der Unternehmen einen Cost-Overrun melden — von heute 33 Prozent. Mir ist das zu konservativ.

Der Grund, warum ich nach oben wette, ist genau der rote Faden der Folge: Schon der Sprung von einem Opus-Modell zum nächsten hat Limits und Token-Ökonomie verschoben und Cost-Overruns verdoppelt. Das wird nicht das letzte Mal gewesen sein — und kaum jemand hat es eingeplant.

Warum mich das besonders umtreibt

Mich treibt die Budget-Illusion um. In meinen Mandaten sehe ich permanent, wie KI als IT-Projekt mit klarem Anfang und Ende kalkuliert wird — und dann sechs Monate später an der Realität zerschellt, weil ein neues Modell die halbe Planung obsolet macht. Das ist kein Versagen der Teams, das ist eine falsche Denkkategorie. KI gehört in den Produktgedanken mit laufenden Run-Costs, nicht in die Projektlogik mit Einmalkosten.

Und dann ist da die Gewinner-Verlierer-Frage, die ich in dieser Folge zum ersten Mal so scharf formuliert habe: Der eigentliche Vorsprung liegt nicht im Tool, sondern im Content. Wer wie ich Jahre an sauberen Transkripten, Daten und Strukturen liegen hat, baut damit in Tagen etwas Einzigartiges. Wer den Content nicht hat, kann sich noch so schnell ein Modell danebenstellen — er bleibt austauschbar. Geschwindigkeit kann man kaufen. Vorsprung nicht.

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